Schulgeschichte

100 Jahre Schulgeschichten aus Büchern, Akten und Berichten

Am Anfang steht eine ,,kneiferbewehrte Pädagogin”, Fräulein Flora Köppler, die am 1. 10. 1885 eine private Höhere Mädchenschule in Zehlendorf gründete. Der Zustrom an Schülerinnen (Wachstum der Vororte Berlins, großer Einzugsbereich) veranlasste die Gemeinde 1902 zum Bau eines neuen großen Schulgebäudes in der Schönower Straße nach Plänen des Architekten Jakob Sedelmeier; glaubt man den Berichten, verging zwischen dem Beschluss und der Fertigstellung nur ein Jahr.

Am 12.10.1903 wurde das Haus für 225 Schülerinnen seiner Bestimmung  übergeben, als ,,Zeughaus geistiger Waffen”, wie es in einem Gedicht hieß.  Knapp ein Jahr später  nahm die Gemeinde die Schule in ihre Obhut, und nachdem Fräulein Köppler in den Ruhestand gegangen war, begann im April 1905 die Geschichte der ,,staatlichen” Höheren Mädchenschule, seit 1911 Lyzeum mit Oberlyzeum.

Inzwischen tummelten sich 465 Schülerinnen im Gebäude. Nach dem Bau des Direktorhauses, das heute vom Hausmeister bewohnt wird, erfolgte 1911/12 der erste große Erweiterungsbau mit Klassenräumen, naturwissenschaftlichen Fachräumen, der Aula und einer Lehrküche für die neu eröffnete Frauenschule.

Dass königlich-preußische Zucht und Sitte nicht zu kurz kamen, zeigt die Schulordnung von 1913: „Jede Schülerin ist verpflichtet, innerhalb wie außerhalb der Schule die Gebote des Anstandes und der guten Sitte zu befolgen. Den Lehrern der Anstalt sind die Schülerinnen Gehorsam und Ehrerbietung schuldig … Alle Schülerinnen unterstehen der Schulzucht der Anstalt auch außerhalb der Schulräume und der Unterrichtszeit, soweit der Zweck der Schulerziehung es erfordert … Verboten sind den Schülerinnen … der Besuch von Konditoreien und ähnlichen öffentlichen Lokalen ohne Begleitung der Eltern oder ihrer Stellvertreter, insofern nicht von Anstalts wegen allgemeine oder besondere Erlaubnis hierzu erteilt ist …Teilnahme an solchem Tanzunterricht, der in öffentlichen Räumen stattfindet, ist dem Klassenlehrer anzuzeigen und kann nötigenfalls verboten werden.”

Hier einige Daten und Ereignisse aus den folgenden Jahren im Überblick

  • 1920  hatte die Schule bereits 600 Schülerinnen.
  • 1923  Deutsche Oberschule (9 Klassen bis zum Abitur).
  • 1927  Erste Reifeprüfung.
  • 1928  700 Schülerinnen, größte Mädchenschule Preußens.
  • 1935  In 28 Klassen werden 1 000 Schülerinnen unterrichtet.
    3-wöchige Reisen in die Märkische Baude Agnetendorf im Riesengebirge (Sommer: Wandern, Winter: Skifahren), 5 Ruderboote auf dem Kleinen Wannsee und ein großer Schulgarten sorgen für Bewegung an frischer Luft. Der Einzugsbereich erstreckt sich u.a. nach Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow.
  • 1938  Die Schule erhält ihren heutigen Namen.


Die Schule teilte in den folgenden Jahren das Schicksal vieler Gebäude und Institutionen dieser Zeit.

Einige Stichworte

  • 1939 Einsatz der Oberprimanerinnen zu kriegswichtigen Aufgaben.
    Aufnahme einer weiteren Schule in das Gebäude. Schichtunterricht.
    Zeitweise Beschlagnahme des Gebäudes durch die Wehrmacht. Unterricht teilweise in der Südschule.
  • 1943 Ende des Unterrichts. Verschickung der Schülerinnen und Lehrerinnen nach Böhmen.
    Nutzung des Gebäudes als Notunterkunft und öffentlicher Luftschutzraum.
  • Mai 1945 erste eigenhändige Reparaturversuche durch Schülerinnen und Lehrpersonal und Aufnahme des Unterrichts.
    Bald hatte die Schule wieder 600 Schülerinnen. „Die Droste-Hülshoff-Schule wurde zum Sammelbecken für alle zum Abitur strebenden Mädchen, die sich in Zehlendorf und Umgebung einfanden: Schülerinnen, die aus Kinderlandverschickungslagern oder von Verwandten oder Freunden nach Berlin zurückkehrten, Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten.
    Auch die großen Schülerzahlen in den Klassen der ersten Nachkriegsjahre brachten viele Probleme mit sich, zumal es keine zeitgemäßen Lehr- und Lernmittel gab. Abiturklassen mit bis zu 30 Schülerinnen waren keine Seltenheit.” Die äußeren Umstände des Schulalltags der Nachkriegszeit sind u.a. dem Mitteilungsbuch zu entnehmen. Da sollen die Fahrräder nicht mit in die Klassen genommen werden, Hefte werden an die Schüler ausgegeben. Der Nachmittagsunterricht (wieder war Schichtbetrieb) muss wegen Stromknappheit auf 35 Minuten pro Unterrichtsstunde verkürzt werden und im Januar 47 werden die Weihnachtsferien wegen Kohlenmangels auf unbestimmte Zeit verlängert. „Nachrichten über den Wiederbeginn (des Unterrichts) werden an der Haustür angeschlagen.”
  • Mit dem Schuljahr 1948/49 tauchte das männliche Geschlecht, bisher nur durch einige Lehrer und den Hausmeister vertreten, verstärkt in der Schule auf. Die Koedukation begann. Das wäre wohl nichts für Fräulein Köppler gewesen. Aber zur Beruhigung hätte man ihr sagen können, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten alles noch sehr sittsam zuging.
  • Das 50-jährige Jubiläum der (staatlichen) Schule wurde 1955 festlich begangen. Die unmittelbaren Nachkriegsnöte waren überwunden. Die Schule zählte „338 Knaben und 575 Mädchen”. Der Bezirksbürgermeister formulierte in seinem Glückwunschschreiben: „Unser größtes Augenmerk sollten wir in der nächsten Zeit darauf richten, daß die Klassenfrequenzen so niedrig gehalten werden, wie es irgendwie tragbar ist – im Interesse der Schüler und auch im Interesse der Lehrkräfte, denen heute mit der Erziehung der Jugend eine besonders schwere Aufgabe obliegt …”
  • Die deutsche Teilung führte im Laufe der 50er Jahre dazu, dass sich das Einzugsgebiet der Schule auf den Bezirk Zehlendorf und dessen – im Westteil der Stadt gelegene – Nachbarbezirke reduzierte. Da aber im Zuge sozialer Veränderungen immer mehr Bevölkerungsgruppen nach „gymnasialer Bildung” strebten, gab es, besonders in Zehlendorf, keinen Mangel an Schülernachwuchs.
  • 1965 wurde der Sportplatz eröffnet, ein Teil des alten Schulgartens ging verloren. Einige Jahre später entstand eine neue Doppelturnhalle, so dass die Schule nun über drei winterfeste Sportstätten verfügt.
  • Die Stürme der 68er Unruhen machten auch an den Pforten der Schule nicht Halt. Auf eine veränderte Bewusstseinslage und andere Lebensbedingungen einer neuen Generation musste das Schulwesen reagieren. So gerieten die 70er Jahre zu einem Reformjahrzehnt.
    In mehreren Schritten wurden das Schulverfassungsgesetz, das das Zusammenwirken von Eltern, Schülern und Lehrern unter dem Gesichtspunkt von mehr Demokratie und Transparenz regelt, und die Reform der Gymnasialen Oberstufe eingeführt.
  • Gegen Ende der 70er Jahre schwollen die Klassenfrequenzen wieder an: 7. Klasse 37, 10. Klasse 35, Grundkurse bis zu 29 Schüler.
  • 1982 begann aber der Erweiterungsbau Gestalt anzunehmen. 1983 im August war er fertiggestellt, die Naturwissenschaftler konnten endlich ihr Labor von 1912 verlassen und sich zeitgemäßer Technik bedienen. Der neue Fachraumtrakt entlastete das alte Gebäude, hier wurden umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten durchgeführt, mancher Raum wurde verändert und umgewidmet. Dem folgte noch eine Außenrenovierung.
  • 1980 – zu Beginn dieser Aus- und Umbauphase – feierte die Schule ihr 75-jähriges Jubiläum. Der Schulleiter gab bei diesem Anlass der Hoffnung Ausdruck, daß „die unvertretbar hohen Klassen- und Kursfrequenzen reduziert werden können”, was zunächst auch geschah.
  • Der Fall der Mauer 1989 eröffnete Schülern aus der Umgebung Berlins wieder den Weg zur Droste-Hülshoff-Oberschule.

Dr. Klaus Feckl, Studienrat a.D.
(Quellen: Kurt Trumpa: Zehlendorf zur Kaiserzeit, Berlin 1982. Kurt Trumpa: Zehlendorf zwischen gestern und heute, Berlin 1983. Jürgen Wetzel: Zehlendorf, Berlin 1988. Festschriften zum 50., 60. und 75. Schuljubiläum. Archivmaterial des Heimatvereins Zehlendorf und des Schularchivs.)